{"id":3673,"date":"2026-10-26T07:13:03","date_gmt":"2026-10-26T06:13:03","guid":{"rendered":"https:\/\/neues-mitteldeutschland.de\/?p=3673"},"modified":"2026-10-26T07:13:03","modified_gmt":"2026-10-26T06:13:03","slug":"stolpersteine-und-schuelerausstellung-in-zwickaus-partnerstadt-jablonec","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neues-mitteldeutschland.de\/index.php\/2026\/10\/26\/stolpersteine-und-schuelerausstellung-in-zwickaus-partnerstadt-jablonec\/","title":{"rendered":"STOLPERSTEINE UND SCH\u00dcLERAUSSTELLUNG IN ZWICKAUS PARTNERSTADT JABLONEC"},"content":{"rendered":"<p>Am 14. Oktober 2026 wurden in der Zwickauer Partnerstadt Jablonec nad Nisou die ersten vier Stolpersteine verlegt. An dem Festakt beteiligte sich auch die Stadt Zwickau mit einem Gemeinschaftsprojekt, welches von den Priesterh\u00e4usern koordiniert wurde.<\/p>\n<p>Seit letzter Woche sind die Namen Rolf Egon Salomon und Hertha Salomon sowie Max Moritz Neiger und Susanne Neiger wieder an ihre ehemaligen Wohnorte zur\u00fcckgekehrt. Ihre Namen sind jedoch nicht an der T\u00fcrklingel zu lesen, sondern in Messing eingraviert. Erstmals wurden in Jablonec nad Nisou &#8211; seit 1971 Partnerstadt Zwickaus &#8211; Stolpersteine verlegt, die an die Opfer des Nationalsozialistischen Regimes erinnern. Die Verlegung, an der neben Oberb\u00fcrgermeister Milos Vele auch der Rabbiner der j\u00fcdischen Gemeinde in Liberec, David Maxa, sowie der Zwickauer Finanz- und Kulturb\u00fcrgermeister Sebastian Lasch teilnahmen, war der Auftakt f\u00fcr eine neue und nachhaltige j\u00fcdische Erinnerungskultur.<\/p>\n<p>Ein erster Ansto\u00df zu diesem Schritt kam dabei aus Zwickau. Bei ihren Vorbereitungen f\u00fcr die Sonderausstellung \u201eErinnerns_Wert. J\u00fcdische Spuren in Zwickau\u201c stie\u00dfen die Kuratoren des Museums Priesterh\u00e4user auf verbl\u00fcffende Parallelen in der Geschichte der ehemaligen j\u00fcdischen Gemeinden in Jablonec und Zwickau: Beide St\u00e4dte waren im 19. Jahrhundert prosperierende Industrieorte. Eine liberale Religionspolitik machte es Menschen j\u00fcdischen Glaubens ab der Mitte der 1870er Jahre m\u00f6glich, sich hier wieder anzusiedeln. Ein Effekt war der Zuzug von kaufm\u00e4nnischem Knowhow sowie Kapital. W\u00e4hrend in Jablonec j\u00fcdische Unternehmerfamilien den Exporthandel mit Modeschmuck und Glas anf\u00fchrten und binnen kurzer Zeit die Stadt zu einer der reichsten Metropolen Mitteleuropas machten, steht f\u00fcr die Automobil- und Robert-Schumann-Stadt der Name Schocken f\u00fcr gro\u00dfen Erfolg. Die Folge war ein rasches Anwachsen der j\u00fcdischen Gemeinden in beiden St\u00e4dten.<\/p>\n<p>Der Plan des Kuratorenteams war es deshalb, ihre Spuren, die trotz Verfolgung und Ermordung noch vorhanden sind, in Form eines Sch\u00fclerprojektes wieder zutage zu f\u00f6rdern. Projektgruppen fanden sich hierf\u00fcr am Zwickauer K\u00e4the-Kollwitz-Gymnasium unter der Leitung von Dorit Seichter sowie an der Grundschule Libereck\u00e1 unter der Leitung von Petra Endlerova. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler recherchierten zu ehemaligen j\u00fcdischen Mitb\u00fcrgern, deren Leben durch das nationalsozialistische Gewaltregime ein j\u00e4hes Ende fand. Die Ergebnisse flossen in eine Ausstellung, die sieben j\u00fcdische Pers\u00f6nlichkeiten aus Jablonec sowie sieben aus Zwickau pr\u00e4sentiert. Erstmalig sind die Ergebnisse dieses deutsch-tschechischen Projektes nun auch in Jablonec zu sehen: Im Rahmen der feierlichen Stolpersteineinweihung er\u00f6ffneten Vertreter der Priesterh\u00e4user die zweisprachige Wanderausstellung \u201eForgotten Tracks\u201c. Bis Anfang 2027 wird die Ausstellung auch an mehreren Standorten in Zwickau gezeigt. Bis zum 8. November ist sie in der Bibliothek der Wests\u00e4chsischen Hochschule zu sehen.<\/p>\n<p>In Tschechien blickt die Stolpersteinverlegung auf eine noch junge Geschichte. 2014 wurden in Liberec und 2021 u.a. in Turnov Stolpersteine verlegt. In Deutschland startete man bereits 1995. Bis heute wurden allein in der Bundesrepublik \u00fcber neunzigtausend Steine verlegt, europaweit inzwischen \u00fcber hunderttausend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. Oktober 2026 wurden in der Zwickauer Partnerstadt Jablonec nad Nisou die ersten vier Stolpersteine verlegt. 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