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Chemnitz - Internationaler Stefan-Heym-Preis der Stadt 2020 an Slavenka Drakulić und Richard Swartz verliehen

Chemnitz - Internationaler Stefan-Heym-Preis der Stadt 2020 an Slavenka Drakulić und Richard Swartz verliehen Bild: Neues-Mitteldeutschland

Fünf Projekte mit den Internationalen Stefan-Heym-Förderpreisen ausgezeichnet

Der Internationale Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz ist am heutigen Sonntag, dem 10. Oktober, an die kroatische Schriftstellerin Slavenka Drakulić und den schwedischen Autor Richard Swartz verliehen worden. Der Preisträger Richard Swartz nahm – auch im Namen seiner Frau Slavenka Drakulić – den Preis im Opernhaus Chemnitz im Beisein der sächsischen Kulturministerin Barbara Klepsch persönlich von Oberbürgermeister Sven Schulze entgegen.

Sven Schulze zeichnete an dem Abend zudem fünf Projekte mit den Internationalen Stefan-Heym-Förderpreisen aus. Die Förderpreise umfassen wie der Literaturpreis ebenfalls einen Gesamtwert von 20.000 Euro.


Oberbürgermeister Sven Schulze: „Slavenka Drakulić und Richard Swartz sind zwei Publizisten und Schriftsteller, die wie Stefan Heym mit ihrer analytischen Schärfe überzeugen und sich in ihren Werken mit den großen europäischen Fragen beschäftigen. Die Parallelen Stefan Heyms zu Slavenka Drakulić und Richard Swartz sind verblüffend. Heym und Swartz finden in Prag einen Zufluchtsort und wissen – jeder für seine Zeit – von den gesellschaftlichen Nöten und Zwängen zu berichten. Slavenka Drakulić und Heym befassen sich in ihren Schriften mit den Motiven und der Psyche von Kriegsverbrechern oder Soldaten eines Regimes. Die Lehren aus den gleichermaßen scharfsinnigen Beobachtungen aller drei Autoren sind aktueller denn je.“


Barbara Klepsch: „Slavenka Drakulić und Richard Swartz sind Schriftsteller, die in ihren Werken mit Empathie und Parteinahme für das konkrete Schicksal dazu beitragen, dass Menschen für den anderen Verständnis entwickeln, dass Fremdheit überwunden wird und so das Andere zum Eigenen wird.

Beide sind Schriftsteller, die sich in ihrem Denken und Schreiben für das große Ganze verantwortlich fühlen und darum für den einzelnen Menschen und die in ihrer Gemeinsamkeit und in ihrem Wirken gewissermaßen das neue Europa verkörpern. Ich gratuliere Slavenka Drakulić und Richard Swartz ganz herzlich zum Internationalen Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz.“


Der Preisträger Richard Swartz, der sich zur Verleihung des Preises auch ins Goldene Buch der Stadt Chemnitz eintrug über Stefan Heym: „Alles im Leben ist Leihgabe, außer der Zeit und dem eigenen Namen. Nur die beiden gehören Dir. Mit meinem Namen hat sich Stefan Heym lange herumgequält, ohne dass ich das ernst genommen habe. Erst viel später habe ich verstanden, wie wichtig es ihm war.“


Slavenka Drakulić war per Video live dem Festakt zugeschaltet und richtete sich mit einer Hommage an Stefan Heym an die Gäste: „Erst kürzlich habe ich wieder Stefan Heyms „Der König David Bericht“ gelesen. Dieser, vielleicht berühmteste, Roman von Heym, soll eine Art Metapher für ein totalitäres kommunistisches Regime sein. Geschichtsstudierende, und mit ihnen wir alle, könnten aus Heyms Roman einiges über die Gefahren und Einschränkungen ihres Metiers lernen, darüber was jede Art der totalitären Herrschaft erwartet und belohnt, und was nicht. Die Phantasie von Autoren wie Heym oder auch Orwell und Kapuscinski öffnet uns allen die Augen für das Wesen der Macht, denn auch in einer Demokratie sind Politiker nicht frei von Tendenzen, die ‚offizielle Geschichte‘ vorzuschreiben.“


Slavenka Drakulić und Richard Swartz sind im besten Sinne des Wortes europäische Stimmen, sie beschäftigen sich mit den großen europäischen Fragen, die am Beispiel individueller Schicksale erörtert werden. Krieg und Frieden, Demokratie, Diktatur, Kriegsverbrechen und Verantwortung, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit: Als Chronisten zeichnen sie sich aus durch ihre scharfsinnige literarische Betrachtung von Geschichte und Gegenwart, die gleichermaßen brillant und poetisch unbestechliche Wahrheiten vermittelt.


Mit der Verleihung des Internationalen Stefan-Heym-Preises 2020 an Slavenka Drakulić und Richard Swartz würdigt das Kuratorium zwei Publizisten und Schriftsteller, deren Schaffen schonungsloser Aufklärung dient, dabei jedoch dem Publikum die Aufgabe zuerkennt, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ihr Werk wendet sich konsequent gegen kollektives Vergessen und setzt damit ein deutliches Zeichen für interkulturelle Verständigung und Versöhnung.


Die Preisträger der Förderpreise sind:


Ein Stoff für die Schule – „Gehe deinen Weg“ von Gerald Richter und Marian Kretschmer

Durch verschiedene Mitmach-Formate bringen Gerald Richter und Marian Kretschmer Schülerinnen und Schülern an Chemnitzer Schulen das Leben und Werk Stefan Heyms näher.

Im Sinne Heyms möchten sie die jungen Menschen stärken, ihren eigenen Weg zu finden und sich einzumischen. Geplant sind Ferienworkshops zur Gestaltung von Bannern, Plakaten, Flyern, Lesezeichen, Kurzvideos. Das Projekt erhält 7500 Euro Preisgeld.


Personenregister zu Stefan Heyms „Nachruf“ von Dr. Jürgen Nitsche

Dr. Jürgen Nitsche nutzt die Autobiografie Heyms als Ausgangspunkt, allen interessierten Leserinnen und Lesern das unmittelbare gesellschaftliche Umfeld des Schriftstellers in Chemnitz zu erschließen. Das Projekt erhält 2500 Euro Preisgeld.


Kompositionen zu Heyms Gedichten von Ludwig Streng

Ludwig Streng schafft mit Musik einen neuen Zugang zur weniger bekannten Lyrik Stefan Heyms und zu ihrer Entstehungsgeschichte. Die Kompositionen werden eingespielt und aufgenommen. Das Projekt erhält 2500 Euro Preisgeld.


Konzert-Lesungen zu Stefan Heyms „Nachruf“ von Liv Heym

Liv Heym, Enkelin von Stefan Heym, untermalt Heyms „Nachruf“ musikalisch und legt ein besonderes Augenmerk auf die soziale Komponente der Spielstätten ihrer Konzert-Lesungen: Neben öffentlichen Bühnen sind ehrenamtliche Aufführungen in Schulen, Pflegeheimen, Museen oder Justizvollzugsanstalten vorgesehen. Das Projekt erhält 4000 Euro Preisgeld.


Zeitzeugen-Interviews von Filmmacherin Beate Kunath:

Sieben Weggefährtinnen und -gefährten Stefan Heyms erinnern sich in Interviews mit Beate Kunath an persönliche Begegnungen und eröffnen dabei einen ganz eigenen Blickwinkel auf Heyms Wirken. Die Interviews werden gefilmt. Das Projekt erhält 3500 Euro Preisgeld.


Der Internationale Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz

Der Internationale Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz wird in Erinnerung an das Leben, Werk und Wirken von Stefan Heym, den Sohn und Ehrenbürger der Stadt, verliehen. Mit dem Internationalen Stefan-Heym-Preis sollen zeitkritische und couragierte Persönlichkeiten gewürdigt werden, die wie Stefan Heym als Schriftsteller bzw. Publizisten herausragende und nachhaltig wirkende Leistungen erbracht haben. Erstmals wurde der Preis 2008 an Amos Oz verliehen. 2011 erhielt Bora Ćosić die Auszeichnung. Aus Anlass des 100. Geburtstag Stefan Heyms wurde der Preis 2013 an Christoph Hein vergeben. 2017 wurde Joanna Bator mit dem Preis geehrt.

Zum Kuratorium, das über die Vergabe des Preises entscheidet, gehören der Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz, das P.E.N. Zentrum Deutschland, das Goethe-Institut, der C. Bertelsmann Verlag, die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) – Deutsche Sektion, die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft e. V., Frau Prof. Malinowski als Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Vergleichende Literaturwissenschaft an der TU Chemnitz und zwei Stadträt:innen des Kulturausschusses der Stadt Chemnitz. Schirmherrin des Kuratoriums ist Inge Heym, die Witwe Stefan Heyms.


Die Internationalen Stefan-Heym-Förderpreise der Stadt Chemnitz

Für Projekte und Initiativen, die sich in besonderer Weise mit Leben, Werk und Wirken Stefan Heyms beschäftigen, lobt die Stadt Chemnitz die Internationalen Stefan-Heym-Förderpreise aus. Die Förderpreise im Gesamtwert von 20.000 Euro werden zusätzlich zum Internationalen Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz ausgelobt.

Vergeben werden sie in Form eines anteiligen Preisgeldes insbesondere an Projekte und Initiativen im Bereich von Wissenschaft, Kunst, Kultur und Forschung bzw. Nachlasspflege, für publizistische und dokumentarische Arbeiten, Stipendien oder zur Unterstützung von Projekten mit Schülerinnen und Schülern bzw. Studierenden.

Über die Vergabe der Förderpreise entscheidet das Kuratorium zur Vergabe des Internationalen Stefan-Heym-Preises.