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Gera - Stadt Gera verleiht drei Integrationspreise und drei Sonderpreise an besonders engagierte Menschen

Gera - Stadt Gera verleiht drei Integrationspreise und drei Sonderpreise an besonders engagierte Menschen Bild: Neues-Mitteldeutschland

Unter dem Titel „Bleibt dran! Zusammen wachsen in Gera“ wurde heute (8. September 2020) zum zweiten Mal der Integrationspreis verliehen. Aus insgesamt 15 eingereichten Projekten entschied sich die Jury für drei Sieger, die je einen mit 800 Euro dotierten Preis erhalten. Zudem gibt es drei Sonderpreisträger, die mit jeweils 400 Euro für ihre Arbeit gewürdigt werden. Jedes eingereichte Projekt erhält für die erfolgreiche Teilnahme und das damit verbundene Engagement ein Preisgeld von 150€.

 

 

Die Gewinner des Integrationspreises 2020 sind:

 

Fremden-Führungen

Das Projekt wurde 2017 von Jana Huster initiiert. Die Veranstaltungsreihe wird über die Ökumenische Akademie Altenburg/ Gera angeboten und entstand auf Eigeninitiative und Neugier, ohne in irgendein Netzwerk angebunden zu sein. Jana Huster erarbeitete selbstständig die Konzepte; sie sah selbst einen Bedarf, um Türen zu öffnen. Mit ihrer unkonventionellen Art führte sie Menschen u.a. zur Moschee, Läden und Friseuren und schaffte somit reale Kontakte und Erlebnisse. Pro Veranstaltung nahmen bis zu 70 Personen teil und besuchten mit ihr Einrichtungen, mit der Möglichkeit alle denkbaren Fragen zu stellen. Die Reihe zielt bewusst auch auf kritische Bürger, die einen Schritt des Kennenlernens gehen wollen auf amüsante und lehrreiche Fußreise. „Wir reden miteinander statt übereinander, probieren und staunen und fragen – unsere Fremdenführungen sollen Berührungsängste abbauen und neue Türen öffnen“, beschreibt Jana Huster ihre Arbeit und schreibt nebenbei auch an einem Buch mit Titel „Flüchtige Begegnungen“

 

Nig – neu in Gera

„Neu in Gera“ ist eine Zeitschrift über Flucht, Träume und das Leben und wurde 2019 erstmals veröffentlicht. Geflüchtet Frauen und Männer schreiben darin teils humorvolle Texte in deutscher Sprache. Initiiert wurde das Projekt von Geflüchteten, umgesetzt wird es mit Unterstützung der OTEGAU. Die persönlichen Begegnungen mit Migranten durch Geschichten, Sehnsüchte und Schwierigkeiten vermitteln neue Sichtweisen. Die Arbeit an der Zeitschrift schafft Partizipation von Migranten auf Augenhöhe sowie soziale und nachhaltige Teilhabe in der Stadt. Ziel ist es, gegenseitiges Interesse und Verständnis zu wecken und Vorurteile abzubauen. Die Exemplare werden kostenlos verteilt, aber auch in den sozialen Medien ist das Projekt präsent.

 

Kita Schatzkiste im Haus der Begegnung

Seit 2018 lautet das Motto der Kita-Schatzkiste „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Die Kita ist eingebettet in einem offenen Haus (evangelisch-freikirchliche Gemeinde G26 mit Wohnungen, Begegnungscafé mit offenen Angeboten für alle Geraer Bürger sowie mit Angeboten des Freundeskreises für Flüchtlinge). Integration ist hier ein selbstverständlicher Bestandteil der Arbeit. Es wird stets mit Geduld nach innovativen Lösungen gesucht. Hier wird die Vision einer Kita als Ort kultureller Vielfalt, an dem Akzeptanz, Toleranz und Nächstenliebe vorherrschen, gelebt. Besonders hervorzuheben ist das hohe Selbstverständnis und die entsprechende Haltung in der Integrationsarbeit der Kita – ohne zusätzliche Stellen und Projekte. Auch die kulturelle und sprachliche Vielfalt mit allen Chancen und Herausforderungen wird hier bestens umgesetzt. Die Kita geht dabei auf jeden Bedarf ein: es gibt einen Essensanbieter ohne Schweinefleisch, mehrsprachige Aushänge, Piktogramme, enge Netzwerkarbeit sowie einen syrischen Pädagogen mit Arabisch als Muttersprache (Deutsch wird mit allen Kindern gesprochen aber in der Eingangsphase ist ein Trost in der Muttersprache besonders schützend).

 

 

Folgende Projekte erhalten einen Sonderpreis:

 

Freundeskreis für Flüchtlinge e.V.

Der Freundeskreis für Flüchtlinge e.V. besteht zumeist aus interessierten, ehrenamtlich tätigen und überwiegend ältere Menschen. Diese leisten einen wichtigen Beitrag zur gelingenden Integration, nachhaltig und kontinuierlich.

Angebote: -

o zweimal wöchentlich ehrenamtlicher Deutschkurs

o Spracherwerb für Mütter mit kleinen Kindern (Krabbelgruppe)

o Familienpatenschaften

o Behörden- und Arztbegleitung

 

Interkultureller Verein Gera e.V.

Der Interkulturelle Verein ist die einzige Migrantenselbstorganisation in Gera. Zu ihm gehören der vietnamesische Verein, der jüdisch-deutsche Kulturverein und eine Interessengruppe der syrischen Flüchtlinge. Seit 1994 engagieren sich die Mitglieder für die Integration von zugewanderten Menschen sowie die Förderung des friedlichen Zusammenlebens von Menschen verschiedener Kulturen. Dabei ist die Anpassung bzw. Auseinandersetzung mit verschiedenen Migrantengruppen nicht immer einfach. Ziel ist es, fremdenfeindliche Tendenzen abzubauen.

Angebote:

o Deutschkurse

o Hausaufgabenhilfe

o Muttersprachenunterricht

o Wahrung der kulturellen Identität der Migranten

o Interkulturelle Woche

o Interkulturelle Fortbildungen

 

Tischlein deck‘ dich – Die helfende Hand e.V.

Tischlein deck´ dich ist eine Anlaufstelle für sozial benachteiligte Familien in Bieblach-Ost. Seit 2003 ist der Verein bekannt als Ort der Begegnung, Kommunikation und Information. Für den Geraer Stadtteil Bieblach ist Tischlein deck dich ein wichtiger Akteur, um Menschen zusammenzubringen, durch Herzlichkeit und Kommunikation. Der Verein verschafft sich einen besonderen Zugang zu den Menschen, und zwar auf Augenhöhe.

Angebote:

o Kleiderkammer

o Kostenlose Rechtsberatung

o Organisation von Feiern für benachteiligte Menschen

 

Sozialdezernentin Sandra Wanzar fasst zusammen: „Alle eingereichten Projekte haben einen gemeinsamen Nenner, sie wollen Menschen zusammenbringen und in unserer Gesellschaft willkommen heißen. Ein wichtiger Baustein für das Zusammenleben vielfältiger Kulturen ist ein offenes Miteinander. Jedes einzelne Projekt ist ein Meilenstein für eine gelebte Integration. Diese sind spürbar in allen Facetten unseres alltäglichen Lebens. Mit dem heutigen Integrationspreis setzen wir ein Zeichen für Partizipation und Weiterentwicklung. Dank vieler engagierter Geraer und Geraerinnen ist das Motto „Zusammenwachsen in Gera“ nicht nur ein Titel, sondern eine erlebbare Herzensangelegenheit“.

Die eingegangenen Vorschläge kamen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Sowohl Institutionen, wie Schulen und Kitas, die verstärkt Migrantenkinder aufnehmen, Projekte, wie ein interkulturelles Kochbuch oder auch Sportangebote im Jugendclub wurden eingereicht. Aber natürlich wurden auch Vereine vorgeschlagen, die Migranten verstärkt begleiten (Sprache, Familienpaten, Jobsuche, interkulturelle Fortbildungen). Nicole Landmann, Migrationsbeauftragte der Stadt Gera, freut sich sehr über die Vielzahl an Vorschlägen. „Das Engagement im Bereich der sozialen Integration ist sehr groß und kann gar nicht hoch genug gelobt werden. Alle Projekte gestalten auf ihre Weise die Integrationsarbeit in Gera, die einzelnen Puzzleteile ergeben ein am Ende passendes Gesamtbild“, so die Migrationsbeauftragte.