Alterscheck statt Spielspaß: Microsofts Umsetzung des „Online Safety Act“ sorgt für Kritik

Was als Maßnahme für mehr Jugendschutz im Internet gedacht war, entwickelt sich für tausende Xbox-Besitzer im Vereinigten Königreich derzeit zu einer technischen Hürde. Infolge des neuen britischen Online Safety Act sahen sich zahlreiche Spieler am Wochenende mit einer sofortigen Sperre ihrer Accounts konfrontiert. Eine Weiternutzung ist seither nur nach einer erfolgreichen Altersverifizierung möglich – ein Prozess, der laut Nutzerberichten massiv gestört ist.

Technische Hürden durch Drittanbieter

Um den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden, setzt Microsoft auf den Verifizierungsdienstleister Yoti. Nutzer haben dabei die Wahl zwischen:

  • Einer KI-gestützten Gesichtsschätzung per Kamera.
  • Hinterlegung von Kreditkartendaten.
  • Upload offizieller Ausweisdokumente.

In der Praxis berichten Betroffene jedoch von einer hohen Fehlerquote. Viele Spieler wurden unvermittelt aus laufenden Sitzungen ausgeloggt und scheiterten anschließend an der technischen Umsetzung der Identitätsprüfung. Die Folge: Gekaufte digitale Inhalte und Online-Dienste sind bis auf Weiteres nicht zugänglich.

„Übergriffig“: Datenschutz im Spannungsfeld

In den sozialen Medien wächst der Unmut. Viele User bezeichnen die Pflicht zur Preisgabe biometrischer Daten oder Ausweiskopien als „übergriffig“. Die Kritik ist nicht neu: Bereits im vergangenen Jahr sorgte die Plattform X (ehemals Twitter) mit ähnlichen Maßnahmen für Schlagzeilen.

Nun zieht auch die Kommunikationsplattform Discord nach und kündigte für März die Einführung eines verpflichtenden Altersnachweises an. Branchenexperten sehen darin einen Wendepunkt in der digitalen Freiheit.

Ausblick: Drohen ähnliche Zustände in Deutschland?

Während die strengen Regeln aktuell primär den britischen Markt betreffen, beobachten Jugendschutzbehörden in der gesamten EU die Entwicklung genau. Angesichts der laufenden Debatten um den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag und strengere Pornosperren in Deutschland könnte die „Ausweispflicht für Gamer“ auch hierzulande bald Realität werden.

Die aktuelle Situation bei der Xbox zeigt jedoch deutlich, dass die technische Infrastruktur für eine reibungslose Umsetzung noch nicht ausgereift ist.

Hintergrund: Der britische Online Safety Act verpflichtet Plattformbetreiber dazu, Minderjährige effektiver vor ungeeigneten Inhalten zu schützen.